1. Bildung von Kindern im engeren Sinne setzt einen bestimmten persönlichen Entwicklungsstand voraus, der auch von der genossenen Erziehung und damit u.a. von erworbenen sozialen Kompetenzen abhängt. Dies macht eine fachmännische pädagogische Begleitung und Beratung der Familien von Anfang an, über Kindergarten in die Schule hinein nötig, um weniger Defizite entstehen zu lassen bzw. diese abbauen zu können. -Der Schlüssel liegt im Anfang", sagt ein persisches Sprichwort.
Außerdem sind die Übergangsphasen zu Kindergarten und Schule viel individueller und flexibler zu gestalten, da jeder Mensch von Beginn seines Lebens an das Recht hat, als einmaliges Individuum wahrgenommen und gemäß seiner persönlichen Fähigkeiten behandelt zu werden. Eine Fixierung auf Geburtsdaten wird dem auf jeden Fall nicht gerecht.
2. Die einzelne junge Persönlichkeit mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen und -ganz wichtig- mit ihren Wünschen, Interessen und Bedürfnissen muss immer im Mittelpunkt der pädagogischen Überlegungen stehen, dies macht Verallgemeinerungen und den Zusammenschluss in Betreuungs- oder Lerngruppen nicht unmöglich, sie sind aber zeitlich eher zu begrenzen und auch unter inhaltlichem Aspekt vorzunehmen.
Von Beginn der Schulzeit an müssen den Kindern ein pädagogisch begleitetes Mitbestimmungsrecht und Wahlmöglichkeiten für ihren eigenen Lernprozess eingeräumt werden, denn Fremdbestimmung und Ohnmachtsgefühle zerstören langfristig die Leistungsbereitschaft.
3. Pädagogische Einwirkung hat die allgemeinen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur biologisch-sozialen Ausstattung von Kindern und Jugendlichen und ihre Ausprägung an der konkreten Person streng zu berücksichtigen, um u.a. permanente Über- oder Unterforderung zu reduzieren und Lernerfolg erst zu ermöglichen.
4. Bestimmte, von jungen Erwachsenen erwartete Persönlichkeitsmerkmale entwickeln sich nicht "automatisch", sondern müssen in Kindheit und Jugend erlernt und "eingeübt" werden, zum Beispiel Fähigkeiten des selbstverantworteten Lebens in einer demokratisch organisierten Gesellschaft. Schule stellt hier den Schutz- und Übungsraum dar, sie muss dazu aber selbst u.a. Demokratie, Selbstbestimmung und Übernahme von Verantwortung für alle Betroffenen fordern und garantieren.
5. Schule wird momentan viel zu einseitig aus quantitativer Sicht gedacht und organisiert, dabei ist für jeden Schüler (und damit für Eltern und Gesellschaft) einzig interessant, mit welchem Aufwand welche Ergebnisse erzielt werden - dies sind Fragestellungen nach Effektivität und Qualität. Und das Resultat von Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Schule zeigt sich an der Persönlichkeit und dem frei verfügbaren Wissen und Können von Schulabgängern, die in die Gesellschaft und das Leben entlassen werden.
Die Output-, statt Inputorientierung muss dabei bereits in der Lehrerausbildung verankert werden.
6. Schule muss das breite Spektrum der gegenwärtigen (positiven) gesellschaftlichen Realität widerspiegeln, um die Kinder und Jugendlichen lebenstüchtig zu machen, was praktisch bedeutet, den Bildungs- und Erziehungsprozess nicht nur Lehrern zu überlassen.
Vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen gehören selbstverständlich in den Schulalltag, so wird auch die Verantwortung der Gem,einschaft und nicht im Wesentlichen nur die der biologischen Eltern für die nachfolgenden Generationen wahrgenommen.
Die meisten "klassischen" Organisationsformen des schulischen Lernens werden damit so "nebenbei" mit abgelöst - gut so!
7. Schule als spezifische Art des Zusammentreffens von Schülern und Lehrern unterliegt stark den Einflüssen des allgemeinen Zusammenlebens von Menschen in unserem Land. Dieser enormen Wechselwirkungen muss sich die Gesellschaft bewusst sein, insofern ist Innovation im Schulbereich sowieso eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Sie ist es aber auch insoweit, als bestimmte "Erscheinungen der aktuellen deutschen Lebensqualität" (z.B. Tendenzen zu überzogenem materiellen Denken, allgemeinem Egoismus, Technik- und Geldgläubigkeit; auf der anderen Seite Vernachlässigung der natürlichen Lebensgrundlagen, Vereinsamung und menschliche Kälte usw.) die gesunde geistige und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig, womöglich dauerhaft behindern. Eine gesellschaft Reform steht ins Haus bzw. muss um diese Aspekte "nur" erweitert werden.
Als "Lohn" werden wir bei einem sorgsameren und liebevolleren Umgang mit unseren Kindern langfristig wieder mehr junge Erwachsene haben, deren Charakter und Können uns stolz machen und denen wir getrost die Gestaltung der Zukunft überlassen können - sie werden uns, ihre Vorgängergeneration, und auch ihre eigenen Kinder dann nicht enttäuschen!
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